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Begriffsklärung

Juni 18, 2007

Medientheorie

Unter dem Überbegriff „Medientheorie“ versteht sich im Allgemeinen, die Sammlung „spezifischer oder generalisierter Forschungsansätze“, welche „das Wesen und die Wirkungsweise von Einzelmedien, oder der Medien generell, zu erklären versuchen. Es werden darin häufig Rückbezüge genommen auf die Kommunikations- und die Informationstheorie.“

Eine eindeutige Definition ist daher nicht möglich, da die Bandbreite an Medien und derer unterschiedlichen Selbsterklärung, eine all umfassenden Kategorisierung unmöglich erscheinen lassen. Zudem ist das zusammenwirken und die in der Planung so oft angesprochenen Synergieeffekte auch in dem medialen Feld ,verursacht durch das Zusammenwirken und die Abhängigkeit verschiedener Medien untereinander, ein wichtiger Bestandteil und vor dem Hintergrund des Versuchs einer Definition aller Medien, ein nur sehr schwer zu fassendes Feld.

Bei dem Versuch der systematischen Erklärung von medialen Prozessen, lassen sich unterschiedliche Herangehensweisen erkennen.

Laut Faulstich/Faßler kann man beispielsweise zwischen vier Kategorien von Medientheorien unterscheiden:

1. Einzelmedientheorien: Film-, Hörfunk, Fernseh-, Theater-, Buch- und Brieftheorien.

2. Kommunikationstheoretische Medientheorien: Betrachtung von Medien als Teil eines Kommunikationsprozesses.

3. Gesellschaftskritische Medientheorien: explizit kritischer Ansatz; Unterscheidung nach dem emanzipatorischen Gehalt der Medientheorie.

4. Systemtheoretische Medientheorien: Kommunikation als Teil oder Form des gesellschaftlichen Handelns.

Ein weiterer Ansatz Medientheorien aufzuschlüsseln ist das Phasenmodell von Leschke, welches in seiner Systematik unter verschiedenen Ordnungsmodellen unterscheidet:

1.Primäre Intermedialität

Das Verhältnis einzelner Medien untereinander (Medienvergleich); diese Ansätze entstehen meist, wenn eine neue Medientechnik entwickelt wird oder wenn ein Funktionswandel eintritt, beispielsweise beim Übergang zu den Massenmedien. Sie sind vortheoretisch und beschränken sich auf Einzelaussagen über ihre Untersuchungsgegenstände.

2.Sekundäre Intermedialität

3.Rationalisierte Praxis

Wenn sich ein neues Medium etabliert hat, setzt eine an der Praxis orientierte Reflexion ein; dabei werden schwerpunktmäßig nicht mehr Vergleiche mit anderen Medien angestellt, es tritt dagegen das betrachtete Einzelmedium und dessen spezifische Eigenschaften in den Mittelpunkt. Diese Darstellungen sind ebenfalls vortheoretisch – und versuchen, relevante Teilbereiche zu systematisieren.

Interessant für unseren Fall ist wohl die Erkenntnis, dass das Zusammenwirken von Medien als Teil des Kommunikationsprozesses zu verstehen ist. In modernen Vorstößen des stadtplanerischen Wirkens, z.B. Bebauungspläne online zu stellen mit dem damit verbundenen Frage/Antwort Service via E-Mail bzw. Beteiligungsplattformen, kann festgestellt werden, dass mediale Vorstöße in alten Sektoren wie hier dem Beteiligungssektor, durchaus ernst zu nehmen sind. Des Weiteren soll an dieser Stelle verdeutlicht werden, dass mediale Möglichkeiten der Neuzeit wie z.B. das Internet in seinen verschiedensten Formen, wohl auch in der Zukunft einen viel Größeren Stellenwert haben werden und auch traditionelle Verfahren kaum an dem medialen Zwang einer Präsentation via World Wide Web vorbeikommen.

Wie konkrete Plattformen hierbei aussehen können ist dabei nebensächlich. Der entscheidende Punkt ist die Schaffung eines Systems einer Plattform welche fachspezifische und dadurch für die Laien nur schwer Nachvollziehbare Inhalte in eine allgemein Verständliche Sprache und Darstellung transferiert. Interessant hierbei wäre z.B. der Versuch ein städtisches Beteiligungsverfahren online, mit einem Art Stadt-Wiki oder Facts-Wiki zu verlinken um das Verstehen und das Nachvollziehen rechtlicher und aber auch z.B. politischer Hintergründe hinter einem formalisierten Verfahren aufzuzeigen, um dem interessierten Bürger die nötigen Informationen zu geben.

Simulacrum/Jean Baudrillar

Bei der Definition des Begriffes Simulacrum werde ich am Anfang die Definition und die nähere Erklärung des Begriffes mittels Wikipedia- Ausschlachtung darstellen.

Der Versuch hierbei ist über die Theorie hinaus einen Einfluss auf unsere Arbeit herauszustellen.

Als Simulacrum oder Simulakrum (Plural: Simulacra oder Simulakren) bezeichnet man ein wirkliches oder vorgestelltes Ding, das etwas oder jemand anderem verwandt ist oder ihm ähnlich ist. Der lateinische Ausdruck simulacrum leitet sich über simulo („Bild, Abbild, Spiegelbild, Traumbild, Götzenbild, Trugbild“) von simul („ähnlich, gleich“) ab. Die Bedeutung kann abwertend gemeint sein im Sinne eines trügerischen Scheins, sie kann aber auch positiv verstanden werden im Rahmen eines Konzepts produktiver Phantasie.

Das Simulacrum ist auch ein zentraler Begriff in zeitgenössischen Theorien der Virtualität bzw. Virtualisierung insbesondere von Gilles Deleuze, Paul Virilio, Pierre Bourdieu, Pierre Klossowski und vor allem Jean Baudrillard. Baudrillard unterscheidet verschiedene historische Formen von Simulacren (Imitation, Produktion, Simulation) und beschäftigt sich besonders mit dem Simulacrum der Simulation als dem dominanten Simulacrum der durch Massenmedien bestimmten Gegenwartsgesellschaft. Das Kennzeichen dieses modernen Simulacrums besteht nach Baudrillard darin, dass die Unterscheidung zwischen Original und Kopie, Vorbild und Abbild, Realität und Imagination unmöglich geworden und einer allgemeinen „Referenzlosigkeit“ der Zeichen und Bilder gewichen sei.

Auch in konstruktivistisch orientierten Medientheorien wird eine faktische Auflösung der klassischen Unterscheidungen und Differenzen konstatiert und unter den Schlagworten der Virtualisierung, Metamedialisierung, Autologisierung, Kybernetisierung und Fiktionalisierung untersucht.

Als Beobachter der medialen Entwicklung versteht sich der frz. Soziologe, Philosoph und Medientheoretiker Jean Baudrillar dessen unten aufgeführtes Werk den Begriff Simulacrum, aber auch die allgemeinen Gefahren der Medialisierung, näher erklärt.

In Requiem für die Medien (1972) entwirft Baudrillard eine Art „Anti-Medientheorie“. Seine „Simulationstheorie“ diagnostiziert, dass heute die Bilder der Wirklichkeit, die vor allem über die Massenmedien vermittelt werden, wichtiger und wirklichkeitsmächtiger geworden sind als die Wirklichkeit selbst. Die durch die Medien simulierte Welt ist zur Scheinwelt, zum Simulacrum geworden, die in Form einer Hyperrealität die wirkliche Welt zunehmend verdrängt. Anknüpfend an Marshall McLuhans Schlagwort „The medium is the message“ („Das Medium ist die Botschaft“) betont Baudrillard gegen Hans Magnus Enzensberger und dessen Aufsatz Baukasten zu einer Theorie der Medien (1970) gerichtet, dass es unmöglich sei, Medien kritisch zu verwenden. Bereits ihre technische Struktur als starrer Sender ohne Kommunikationsmöglichkeit nach beiden Seiten mache sie unweigerlich zu Instrumenten der Macht. Baudrillard spricht in diesem Zusammenhang von einer medialen „Rede ohne Antwort“, durch welche die eigene Tätigkeit der Konsumenten verhindert werde.

Ich denke man kann den Begriff Simulacrum auch über die allgemeinen Definitionen hinaus als einen zentralen Begriff der Medienkritik sehen. Das Verschwinden von Grenzen zwischen Realität und Virtualität und die immer mehr voranschreitende Anonymität erzeugt durch die Medialisierung schafft über Ihren Nutzen hinaus auch neue Problemfelder.

Die Einstellung eines „Second Life“ z.B. sowie das vertiefen in vergleichbare Online Welten öffnet Tore zu neuen Erfahrungen und ermöglicht dem User das Schaffen einer zweiten Realität und Identität. Diese kann entweder das genaue Spiegelbild der eigenen, aber genauso gut das totale Gegenstück zur eigenen Realität und Identität sein. Das sich auseinandersetzen mit einem anderen Ich kann auf der einen Seite sehr spannend sein, auf der anderen Seite aber auch zu einer großen Gefahr werden. Bei dem Verlust des Anschlusses an die wirkliche Welt, in Online Spielen „Real-Life“ genannt, kann der User durch den oft immer mehr unbewusst gestiegenen Konsum von Online Erfahrungen den Anschluss an real existierende, nicht virtuelle Angebote sozialer Interaktion verlieren. Dieser Gefahr muss man sich als User solcher Online Angebote klar sein. Die positiven Seiten solcher Plattformen, wie das Knüpfen neuer Kontakte das Schulen von Zusammenspiel und die Chance des Bildens organisatorischer Fähigkeiten sowie auch das sich selbst auferlegt Zeitmanagement, sind nur ein paar Punkte die sich auf der Waagschale von positiven und negativen Elementen von Zweitrealitäten finden. Defacto ist allerdings festzuhalten das trotz der immer mehr voranschreitenden Medialisierung vor allem im Privatleben wie bei jeder neuen Entwicklung, das Stell- Mess- und Regelglied der Mensch, also das Individuum an sich bleibt. Somit sollte auch bei den neuen Entwicklungen und den immer mehr der Wirklichkeit ähnelnden Online Angeboten eines keinesfalls in Vergessenheit geraten, Der Mensch als Ende der Kette des medialen Angebotes, also der eigentliche Adressat und Konsument von medialen Angeboten ist auch der Richter und Henker über den Sinn/Zweck und vor allem dem Nutzen von medialen Angeboten und für sich selbst verantwortlich.

Schließen möchte ich mit einem Satz der in einem anderen Zusammenhang bereits vor über 200 Jahren von einem der Wohl bekanntesten Philosophen seiner Zeit formuliert wurde. In einer Definition Kants über den vernunftbegabten Menschen entstand der Wohl bekannteste Satz seines Schaffens:

die Tauglichkeit der Maxime eines jeden guten Willens, sich selbst zum allgemeinen Gesetze zu machen, ist selbst das alleinige Gesetz, das sich der Wille eines jeden vernünftigen Wesens selbst auferlegt

Übertragen auf eine medienkritische Denkensweise bedeutet das für mich:

Das Nutzen eines Mediums alleine wird niemals der Grund sein, dass sich Menschen verlieren bzw. dass eine durch das Medium einseitig verursachte Abhängigkeit entsteht. Der sinnvolle und von einem vernünftigen Maß an Vernunft bestimmte Einsatz eines Mediums sowie der Zweck und dessen Nutzen sollten zentrale Punkte der Medialisierung und des persönlichen Gebrauchs von Medien sein.

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